Neugierig auf die Nachbarschaft – KHAO YAI

Von Bangkok aus schnell erreichbar und sogar als Weltnaturerbe klassifiziert, zählt der älteste Nationalpark Thailands zu den beliebtesten Reisezielen des Königreichs. Im Umfeld von Khao Yai jedoch verbergen sich noch viele ungeahnte Attraktionen. Sie locken als natürliche oder von Menschenhand erschaffene Erlebniswelten, die sogar mit dem Flair von Texas und der Toskana überraschen können.

Ein Moment, der zu den Schlüsselszenen in der Verfilmung von Alex Garlands Abenteuerroman „The Beach“ zählt: Der abenteuerlustige Traveller Richard – alias Leonardo DiCaprio – fasst sich ein Herz und springt den Wasserfall Haew Suwat hinab, um in das Paradies zu gelangen. Im weiteren Verlauf des Kinostreifens entpuppt es sich zwar als Hölle, doch das wird dem Drehort der Szene in keiner Weise gerecht. Bereits 1962 gegründet und von der UNESCO 2005 als Weltnaturerbe anerkannt, durchzieht der Khao Yai-Nationalpark mit seinen mehr als 2.000 Quadratkilometern insgesamt vier Provinzen – und zählt zu den größten Naturwundern Thailands.

Als nur einer von mehreren hat der verfilmte Wasserfall das etwa 170 Kilometer von Bangkok entfernte Schutzgebiet noch populärer gemacht. Schon die durch den Park führende Straße kann faszinierende Impressionen von diesem Naturschatz vermitteln, für tiefere Eindrücke indes sorgen insgesamt 500 Kilometer Wanderpfad. Nicht wenige der Trails wurden einst von wilden Elefanten gestampft, die hier noch heute gern entlang ziehen. Sie führen durch grasbewachsene Steppen oder immergrünen Monsunwald, hinauf bis zu 1.350 Meter hohen Bergen – und stets durch den Lebensraum von 123 verschiedenen Säugetier-, 200 unterschiedliche Reptilien- sowie 392 Vogelarten.

Im vergleichsweise milden Tropenklima der Region Khao Yai gedeihen nicht nur die wilde Flora und Fauna, sondern auch etliche von Menschenhand geschaffene Attraktionen. Wer diesen Übergang möglichst sanft vollziehen möchte, sollte vielleicht mit der Blumenpracht The Bloom By TVpool beginnen: Hier hat ein Medienmogul eine weitläufige, blütenreiche Parkanlage mit verschiedenen Themenbereichen entstehen lassen, in der sich thailändische Stars und Sternchen fast tagtäglich ein Stelldichein geben.

Ebenfalls mit gezähmter Natur und im nördlichen Randgebiet des Nationalparks liegend, präsentieren sich die Weingüter der Region – rasant wachsend und erstaunlich einfallsreich. Immer weiter öffnen sie ihre Pforten mit Erlebnis- und Gourmet-Gastronomie, Traubenlese-Wettbewerben oder kreativen Kosmetik- Produkten. Das soll die hier produzierten, tropischen Tropfen bekannter machen und natürlich auch mehr westliche Besucher anlocken. Vielerorts lässt es sich in stilgerechten Unterkünften übernachten, deren Architektur oft eher an die Toskana erinnert als an Thailand. Das gilt erst recht für die Einkaufs- und Erlebnismeilen Palio Khao Yai oder Primo Posto del Khao Yai: Wer hier durch die lauschigen Gassen schlendert, glaubt sich in einem mediterranen Dorf.

Der romantische Trend zur Toskana versteht sich als Ergänzung und Kontrast zum rustikalen Ambiente, das den Nationalpark bisher umrahmt hat – zu erleben zum Beispiel auf der Farm Chockchai (landesweit größter landwirtschaftlicher Privatbetrieb) oder im Thongsomboon Club, wo Western-Romantik mit Cowboy-Klamotten, Countrymusik und Lagerfeuer ebenso im Vordergrund stehen wie Übernachtungen in Indianerzelten, Bogenschießen, Reiten oder Planwagenfahrten. Das überraschende Texas-Flair wurzelt immerhin in historischen Zeiten, als USAmerikaner hier die Milchwirtschaft einführten. Wer die Region Khao Yai eher als Naturerlebnis abrunden will, sollte sich für das südliche Randgebiet des Nationalparks entscheiden. Dort besticht die Provinz Nakhon Nayok als Geheimtipp für Neulandsucher – findet sich doch darüber bisher kaum etwas in den einschlägigen Reiseführern. Mit ihren unzähligen Stufen und Felsenpools garantieren die hier im Schatten dichter Wälder reichlich rauschenden Wasserfälle eine Menge Badespaß, die Flüsse mancherorts sogar feucht-fröhliche Wildwasser-Fahrten. Fast schon mit der Weite eines Meeres indes erstreckt sich der Stausee von Khun Dan Prakan Chon. Rund 20 Kilometer von der Provinzhauptstadt entfernt, werden die Wassermassen seit 2005 durch einen 2.720 Meter langen, fast 100 Meter hohen Damm in Schach gehalten – und rundherum von einer malerischen Bergkulisse umrahmt. Wie im Nationalpark lassen sich auch in der Provinz Nakhon Nayok Elefanten bewundern – sind dort aber verblüffend leicht zu finden: Mit einer Höhe von 15 und 9 Metern sowie rosarot getüncht erheben sie sich aus dem Ganesha Park, der von dem Bangkoker Mönch Luang Por inszeniert wurde, um die größten Elefantengott-Statuen des Königreichs zu beherbergen.

WER HÄTTE GEDACHT, DASS SICH IM TROPISCHEN THAILAND DERART SCHMACKHAFTE TRAUBEN ERNTEN LASSEN?

INFO
Khao Yai-Nationalpark

umfassende Infos der Forstbehörde lassen sich abrufen unter: www.dnp.go.th/parkreserve

In faszinierender Weise Aufschluss über die Wunderwelt des Naturschutzgebiets bietet auf 274 Seiten das großformatige, üppig bebilderte Werk Thailand Dschungelabenteuer Khao Yai von Klaus Derwanz (Ellwangen 2005, 39,90 €, ISBN 3-00-017144-4).

Jenseits des Nationalparks an der Reiseroute liegen sollten zum Beispiel:

Palio Khao Yai
als stilgerechtes Wahrzeichen der thailändischen Toskana:
www.facebook.com/welovepalio

PB Valley & GranMonte

als bedeutendste Weingüter der Region:
www.khaoyaiwinery.com
www.granmonte.com

Farm Chockchai
als Beispiel für Thailands illustren Wilden Westen:
www.farmchockchai.com

Sarika Adventure Point
als bester Anlaufpunkt für Flussabenteuer in Nakhon Nayok: www.sarikaadventurepoint.com

Unterkünfte
Mit ihrem künstlichen bzw. naturnahen Charakter in einem bemerkenswerten Kontrast zueinander stehen die im Norden und Süden des Nationalparks liegenden Resorts „DNA Resort & Spa" und „Phuiyara Resort Nakhon Nayok":
www.dna.khaoyai.com
www.phuiyara.com

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