Abenteuer Ringstraße – PER MOPED DURCH DIE BERGWELT

Schon lange haben sie davon geredet und die Clique immer nur geschmunzelt, doch nun haben es die Bangkoker Freundinnen Sujitra und Bumbin allen gezeigt: Mit einem Miet-Moped haben sie die 600 Kilometer des legendären Mae Hong Son-Rings bezwungen – und jede Menge unvergesslicher Eindrücke gewonnen.

Unser Miet-Moped wirkt etwas klapprig und für das Gepäck ist kaum Platz, doch unsere Abenteuerlust ist nicht zu zügeln! Fünf lange Tage dauern soll die Route und uns im Kreise führen – ein ziemlich großer Kreis, wie wir zugeben müssen: Ganze 600 Kilometer misst der Mae Hong Son-Ring, oft nur als „The Loop“ bezeichnet und mit seinem unglaublichen Kurvenreichtum ein El-Dorado für Zweiradfahrer.

Als wir die nordthailändische Metropole Chiang Mai verlassen, wird uns etwas mulmig zumute. Im Affentempo ziehen Minibusse und LKWs vorbei, während sich entlang der Ausfallstraße triste Geschäfte und Gewerbebetriebe aufreihen. Und das soll eine der schönsten Strecken Thailands sein? Erst nach gut einer Stunde biegen wir auf kleinere Straßen ab und begegnen nur noch wenigen Fahrzeugen. Nun zeigt sich, wie schön Thailands Norden wirklich ist. Im Vorbeifahren bestaunen wir vergoldete, im Sonnenlicht glitzernde Pagoden, in den kleinen Dörfern duftet es nach Jasmin-Sträuchern.

EINFACH DRAUFSETZEN UND LOSFAHREN –AUTOMATIK-ROLLER MACHEN ES MÖGLICH. MIT EINER ABENTEUERLICHEN ZWEIRADTOUR LÄSST SICH DER HOHE NORDEN DES KÖNIGREICHS BESONDERS HAUTNAH ERLEBEN

Nach den ersten 128 Kilometern und 803 Kurven ist schließlich unsere erste Etappe erreicht. Einst ein idyllisches Örtchen auf 380 Metern Höhe, ist Pai zu einer Top-Adresse für Backpacker, Freaks und Aussteiger aus aller Welt mutiert. An Wochenenden strömen massenhaft reiselustige, alternativ angehauchte Thais hinzu. Exakt auf diese Klientel hat man sich eingestellt: Vielerorts gibt es vegane Menüs, alternatives Kunsthandwerk oder Feng Shui-Kurse. Gurus und andere selbsternannte Lebensberater bieten Lösungen für Probleme an, von denen wir bisher nichts geahnt haben.

Noch nicht ganz ausgeschlafen, aber schon auf dem Moped, lockt der nächste Tag nach nur zehn Minuten zum ersten Zwischenstopp. Vor uns liegt ein Erdbeerfeld in der Morgensonne. Eine Fata Morgana in Thailands Bergen? Knallrote Früchte, so weit das Auge reicht – und auch in dem Plastikbecher, aus dem wir sie probieren. In einem Thai-Dressing aus Salz, Zucker, Ingwer und Chilis dümpeln sie, doch nach der dritten Erdbeere genießen wir das fruchtig-scharfe Aroma mit wachsender Begeisterung. Später werden am Straßenrand frische Hühnereier verkauft, die in den umliegenden, 80 Grad heiß dampfenden Quellen zu garen sind. Als uns das zu lange dauert, springen wir selbst hinein – natürlich in einiger Entfernung, wo das Wasser kühler strömt.

Anderntags tuckern wir durch langgezogene Täler mit dichten Laubwäldern und bewässerten Reisfeldern, die wie ein Spiegel den stahlblauen Himmel reflektieren. Hin und wieder tauchen aus Holz erbaute Tempel auf, die einst zum nahen Burma gehört haben müssen. Irgendwann erreichen wir Mae Hong Son. Trotz des überdimensional großen Flugplatzes wirkt der Ort erstaunlich ursprünglich. Die wenigen Rucksacktouristen, denen wir begegnen, scheinen sich lediglich für die umliegenden Dörfer der ethnischen Minderheiten zu interessieren, vielleicht auch für eines der Höhlenlabyrinthe, die diese geheimnisvolle, oft nebelverhangene Region durchziehen.

Bei uns indes geht es nun im ersten Gang zum Doi Inthanon hinauf. Fast 2.500 Höhenmeter in einer knappen Stunde – das führt unser Moped an die Grenzen. Auch wir fühlen die Erschöpfung, als wir uns im Schneckentempo die steile Passstraße hinauf quälen. Obwohl die Aussicht mit jedem Meter spektakulärer wird, blicken wir vor allem nach vorn. Schließlich erwartet uns am Ende der Straße mit dem höchsten Berg des Königreichs auch der Höhepunkt unserer Reise. Schon am zweiten Tag auf dem Mae Hong Son-Ring war uns das Alltagsleben entschwunden, nun aber sträuben wir uns sogar gegen die Rückkehr nach Chiang Mai. Geradezu süchtig geworden sind wir danach, mit unserer treuen Honda immer weiter zu fahren. Nur um zu sehen, was uns als nächstes erwartet – hinter der nächsten Kurve, oder im Tal dahinter...

INFO
Mietfahrzeuge & Unterkunft

Mopeds und Roller mit Halb- oder Vollautomatik sind für 3–6 € pro Tag zu mieten, größere Maschinen oder Enduros liegen meist bei 10–25 €, z.B. von: www.chiangmai-motorcycle-rental.com

Natürlich lässt sich der Mae Hong Son-Ring auch bestens mit Limousinen oder SUVs befahren. Als örtlicher Verleiher mit Tagespreisen ab 30 € hat sich bewährt: www.northwheels.com

Für die Übernachtung bietet sich entlang der Route eine Vielfalt von Resorts und Guesthouses (viele mit originellem Charakter!) an; Vorausbuchung meist nicht erforderlich.