Appetit auf Algen von Wolkenkratzern – Bangkok

Organisch angebautes Obst und Gemüse erfreut sich bei ernährungsbewussten Großstädtern ebenso steigender Beliebtheit wie möglichst chemiefrei wachsender Reis oder Vollkorn-Backwaren aus kleiner Produktion. Doch es geht um viel mehr: Statt des üblichen Profitdenkens ist der Aufbau einer grünen Community gefragt – mit persönlichen Kontakten, Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit.

Das ist nicht nur ein trivialer Markt, sondern eine eingeschworene Gemeinschaft", schwärmt ein Mitorganisator des neuen populären Bangkok Farmer's Market, der seine Pforten im K Village in der Sukhumvit Road / Soi 26 an jedem letzten Wochenende des Monats öffnet. „Denn wir wollen Waren nicht nur verkaufen, sondern auch erklären". So ist mitten in der brodelnden Hauptstadt ein Treffpunkt entstanden, wo sich Menschen mit verschiedenen Auffassungen engagiert über Lebensmittel austauschen können.

Bevor einem Händler erlaubt wird, sich mit einem Marktstand auf dem Bangkok Farmer's Market zu präsentieren, wird er belehrt, dass es sich hier nicht um ein profitorientiertes Projekt handelt. Neulinge werden prinzipiell dazu aufgefordert, mit den Veranstaltern erst einmal ihre Auffassung von Nahrungsmittelproduktion zu diskutieren. Erst dann erhalten die Bewerber eine geeignete Plattform, um chemiefreie Produkte anzubieten und im Gegenzug Unterstützung bei der Organisation von Koch- oder Meditationsgruppen.

Im Riva Surya Hotel, das im Altstadtviertel Banglampoo bzw. nur ein paar Gehminuten vom hippen Backpacker-Viertel Khao San Road entfernt liegt, findet man mit dem beliebten Riva Surya Farmer's Market ein weiteres Beispiel für den neuen Trend. Auch der Spring Epicurean Market, der jeden letzten Samstag des Monats im Spring/Summer-Restaurant in der Sukhumvit Road / Soi 39 abgehalten wird, folgt dem neuen Credo. Supaporn Anuchiracheeva von der Earth Net Foundation sieht den Erfolg der neuen Farmer-Märkte darin begründet, dass sie den Konsumenten einen einfacheren und schnelleren Zugang zu organischen Lebensmitteln ermöglichen sowie den Kontakt zu ihren Produzenten. Denn was besonders zählt, ist die Kommunikation zwischen den Kunden und den Nahrungsmittelproduzenten. „Diese hat sich nämlich für die meisten Großstädter heutzutage lediglich auf die Frage der Kassiererinnen im Supermarkt reduziert, ob man schon im Besitz einer Bonuskarte sei“. Wer hingegen seinen Gemüsebauern kennt, weiß auch um die Qualität seiner Lebensmittel.

Dass organische Landwirtschaft und Farmer-Märkte durchaus auch einen Touristenmagneten darstellen können, beweist der Talad Sookjai genannte Wochenendmarkt des Sampran Riverside (bis zu seinem 50-jährigen Bestehen als Rose Garden Riverside bekannt) vor den Toren der Stadt. Monat für Monat kaufen hier um die 600 Besucher nachhaltige Produkte für rund eine Million Baht und bescheren der Dorfbevölkerung mit ihrem Appetit auf gesunde landwirtschaftliche Erzeugnisse gesicherte Arbeitsplätze bzw. einen höheren Verdienst. In Workshops können Urlauber den Kochlöffel schwingen und die Geheimnisse der authentischen Thai-Küche kennenlernen. Die Zutaten dafür kommen täglich mit dem Boot aus der organischen Farm. Zudem können die Besucher in spannenden Kräuter-Lehrgängen die Herstellung von Naturprodukten wie Aloe Vera, Zahnpasta, Creme und Kompressen aus frischen oder getrockneten Kräutern erlernen.

Die neueste Innovation in der städtischen Landwirtschaft Bangkoks stellt der Anbau essbarer Algen auf den Dächern von Wolkenkratzern dar. So baut das Unternehmen EnerGaia auf dem Dach des Novotel Bangkok auf einer Fläche von rund 130 Quadratmetern Spirulina-Algen an. Insider schätzen diese sonnenverwöhnte, energiegeladene Biomasse für ihre hohe Proteinkonzentration – zumal das Gewächs auch alle essentiellen Aminosäuren enthält und sogar als gesunde Alternative zu Fleisch gehandelt wird. Die kleine Anlage produziert immerhin um die 80 Kilogramm Spirulina pro Woche. „Wir waren von der Idee, den Platz innovativ zu nutzen, begeistert und haben die Produkte natürlich auch in unseren gesunden Menüplan integriert“, hebt Hoteldirektor David Baldwin mit Stolz hervor. Natürlich soll die ergiebige Spirulina-Farm auf seinem Dach als Vorzeigeprojekt für den neuen Großstadttrend dienen.

Auch Bill Marinelli, der die Oyster Bar in der Narathiwas Road Soi 24 betreibt, zählt sich zu den kulinarischen Konvertiten der Metropole. Er fügt seinen Gerichten reichlich Spirulina hinzu, um den Nährwert zu erhöhen – und seine Gäste mit giftgrünen Nudeln zu faszinieren.

FASZINIEREND FACETTENREICHE FORMEN UND FARBEN MACHEN JEDEN STREIFZUG ÜBER EINEN FRISCHMARKT ZUM BESONDEREN ERLEBNIS – ERST RECHT, WENN NACHHALTIGE LEBENSMITTEL DAS ANGEBOT BESTIMMEN…

INFO
Das Sendungsbewusstsein der alternativen Lebensmittelproduzenten spiegelt sich natürlich auch im Internet wieder, wie z.B.:

Bangkok Farmer's Market
der erfolgreichste Farmer-Markt der Stadt: www.facebook.com/bkkfm

Spring Epicurean Market
als Newcomer in trendigem Ambiente: www.facebook.com/springepicureanmarket

Riva Surya Farmer's Market
für einen Marktbummel in der Altstadt: www.facebook.com/RivaSuryaBangkok

Sampran Riverside
von der Touristenattraktion zum Ökodorf: www.sampranriverside.com

EnerGaia Bangkok
Spirulina-Algen frisch vom Hoteldach: www.energaia.com

Portrait

„Wir möchten nicht nur helfen, sondern auch wirklich etwas verändern“, bekräftigen Thaneen Hanfaifa (Joy) und Ulrike Elisabeth Meister (Ulli). 2007 gründeten sie in der Umgebung von Chiang Mai die Children‘s Shelter Foundation, um benachteiligte Kinder zu fördern sowie zu beweisen, dass nachhaltiger Tourismus mehr ist als nur ein in Mode gekommenes Schlagwort.

Auf der Bio-Farm Lakeland erhalten ihre Schützlinge neben einer schulischen Ausbildung die Chance, praktische Fähigkeiten zu erlernen, die sie später zurück in ihre Dörfer tragen sollen. Es dauert meist nicht lange, bis die Kleinen zu großen Experten auf den Gebieten des biologischen Anbaus, Recyclings und Naturschutzes werden. Touristen erhalten die verlockende Möglichkeit, für einige Zeit in die kreative Gemeinschaft einzutauchen – und sind meist schnell von der warmen, familiären Atmosphäre fasziniert.

PERFEKTE TEAMARBEIT FÜR EINE KREATIVE KOMBINATION AUS SOZIAL- UND NATURPROJEKT: ULRIKE ELISABETH MEISTER (ULLI) UND THANEEN HANFAIFA (JOY) MIT EINEM IHRER ZAHLREICHEN SCHÜTZLINGE

Lehrer und Bauern der Children’s Shelter Foundation führen den Kindern vor, wie die neue Generation ihre Landwirtschaft betreiben soll und wie wertvoll umfassendes Wissen über Naturdünger, Bodenbeschaffenheit und die Abfolge des Anbaus sein kann. Sogar der Unterricht in Mathematik, Biologie und Erdkunde gestaltet sich denkbar lebendig – wird er doch direkt auf der Farm abgehalten, statt in einem Klassenzimmer. Mit den Bio-Erzeugnissen lassen sich die Kinder und Lehrer gesund versorgen. Der Überschuss wird an die getrennt geführte Touristen-Unterkunft Joy‘s House verkauft, deren Bungalows von einer herrlichen, tropischen Gartenanlage umrahmt werden. „Somit fließt der Gewinn wieder vollständig zurück in das Projekt“, erläutern Joy und Ulli ihr bewährtes Konzept. Durch die Zusammenarbeit mit den umliegenden Dörfern tragen die beiden Visionärinnen außerdem erfolgreich dazu bei, dass nicht nur in der Stiftung ein Großteil des anfallenden Abfalls recycelt wird.

In Zusammenarbeit mit dem Bezirk Mae On und Joy‘s House engagiert sich die Children’s Shelter Foundation zudem besonders für jugendliche Schulabgänger, die aus den Bergdörfern Nordthailands kommen, Waisen sind oder aus sehr armen Familienverhältnissen stammen. Sie erhalten die Chance, ihren Schulabschluss nachzuholen und zu studieren sowie diverse Praktika zu absolvieren, um der Armutsspirale zu entrinnen.

Die Schützlinge durchlaufen eine komplette Ausbildung und alle Bereiche des Gastgewerbes wie Gästebetreuung, Hauswirtschaft, Hausmeisterservice, Küche oder Bürokommunikation. Ergänzt wird das ganzheitliche Bildungskonzept durch Unterricht in Englisch und Reiseleitung, so dass die Jugendlichen den Urlaubern sogar als Reiseführer zur Seite stehen können. Viele Besucher sind von ihrem Aufenthalt in dieser atmosphärischen, sozialen Einrichtung so begeistert, dass sie später noch einmal hierher zurückkehren. Und nicht zuletzt auch das versteht sich als eine Variante der Nachhaltigkeit.

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